← Zurück zum Blog
Stärken

Eigene Stärken beschreiben – so klingt es überzeugend

· 3 Min. Lesezeit · Wilhelm Siemens

Was sind meine Stärken? Und wie beschreibe ich sie, ohne in Floskeln zu rutschen? Eine Anleitung in vier Schritten – mit dem Enneagramm als Ausgangspunkt.

Eine Sprechblase mit einem Stern darin, umgeben von den drei Zentrenfarben – die eigenen Stärken in Worte fassen.

„Was sind Ihre Stärken?“ – kaum eine Frage bringt Menschen so zuverlässig ins Stocken. Dabei liegt das selten daran, dass jemand keine Stärken hätte. Es liegt daran, dass die wenigsten je gelernt haben, sie in eigene Worte zu fassen.

Warum die Standardantworten nicht funktionieren

Ich habe über 1.000 Bewerbungsgespräche geführt. Die häufigsten Antworten auf die Stärkenfrage lauten: teamfähig, belastbar, kommunikativ, zuverlässig.

Das Problem ist nicht, dass diese Eigenschaften falsch wären. Das Problem ist, dass sie beliebig sind. Sie stammen aus der Stellenanzeige, nicht aus dir. Und jeder im Raum merkt das.

Wir wirken überzeugend, wenn wir selbst zutiefst überzeugt sind. Deshalb führt der Weg nicht über bessere Formulierungen, sondern über bessere Selbstkenntnis.

Schritt 1: Finde deine natürlichen Stärken

Eine natürliche Stärke erkennst du daran, dass sie dir leichtfällt. So leicht, dass du sie oft gar nicht für eine Stärke hältst – für dich ist das ja normal.

Genau hier hilft das Enneagramm. Es beschreibt neun Wahrnehmungsstile, und jeder bringt ein eigenes Set an Stärken mit. Der Typ 2 spürt, was andere brauchen. Der Typ 5 durchdringt ein Thema, bis er es wirklich versteht. Der Typ 8 sagt, was gesagt werden muss.

Schritt 2: Prüfe die Dosierung

Jede Stärke gibt es in drei Zuständen: natürlich, entwickelt und überdosiert. Die überdosierte Stärke ist das, was andere als deine Schwäche sehen.

Beim Typ 8 heißt die Stärke „Wahrhaftigkeit“. Natürlich: Ich sage meine Meinung offen und direkt. Entwickelt: Ich sage sie taktvoll. Überdosiert: Ich bin rücksichtslos.

Das ist praktisch: Wenn du deine Überdosierung kennst, kannst du im Gespräch souverän damit umgehen – statt von ihr überrascht zu werden.

Schritt 3: Belege sie mit einem Erfolg

Eine Stärke ohne Beleg ist eine Behauptung. Verknüpfe sie deshalb immer mit einer konkreten Situation aus deinem Berufsleben.

  • Situation: Was war der Ausgangspunkt?
  • Handlung: Was hast du getan – und zwar du, nicht das Team?
  • Ergebnis: Was kam dabei heraus?

Wichtig ist der mittlere Punkt. Genau dort wird deine natürliche Stärke sichtbar, weil sie erklärt, warum du so gehandelt hast und nicht anders.

Schritt 4: Schreibe deine Stärkengeschichte

Bring die drei Schritte in zwei bis drei Sätzen zusammen. So klingt das dann:

Ich sage früh, was ich sehe – auch wenn es unbequem ist. Als in unserem Projekt alle den Termin für machbar hielten, habe ich die Zahlen auf den Tisch gelegt und eine Verschiebung vorgeschlagen. Wir haben zwei Wochen verloren und ein Desaster vermieden.

Kein Adjektiv aus der Stellenanzeige. Eine Stärke, eine Szene, ein Ergebnis. Das ist eine Antwort, die man dir glaubt – und die du jederzeit erzählen kannst, weil sie deine ist.

Mehr dazu, wie du das im Gespräch platzierst, findest du in Stärken im Bewerbungsgespräch.

Weiterlesen

Bewerbung · 3. Juli 2026
Deine Stärken im Bewerbungsgespräch überzeugend zeigen
Coaching · 1. Februar 2023
Was ist stärkenorientiertes Coaching?
Grundlagen · 7. Juli 2026
Die drei Zentren des Enneagramms: Kopf, Herz und Bauch